Schlagwort: Erzählen

  • Eppinghofen erzählt!

    Eppinghofen erzählt!

    Das Kulturbüro Mülheim veranstaltete in den letzten zwei Monaten ein vom Landschaftsverband Rhein gefördertes Erzählprojekt unter der Projektleitung von Selma Scheele. 

    Erzähler*innen aus der Region und Künstler*innen der bildenden Kunst gingen an Schulen, Kindergärten oder Seniorenheime. Geschichten wurden erzählt, erfunden, bebildert, gebaut.

    Ich hatte das große Vergnügen, 8 Termine mit Kindern aus allen dritten Klassen der Astrid-Lindgren-Schule zu haben. 

    Eine Besonderheit an diesem Projekt: es ging vor allen Dingen darum, den Kindern zu ermöglichen, in professionell erzählte Geschichten einzutauchen, sie zu erleben, ihre Fragen an die Geschichten zu stellen und gemeinsam zu lauschen. Die Freude am Zuhören zu erleben, an der Lebendigkeit der erzählten Geschichten. Dadurch öffnete sich quasi von allein die Tür zum eigenen Erfinden von Geschichten. Und dazu – und das ist die zweite Besonderheit dieses Projektes – die Orte und einige Figuren, ob erlauscht oder selbst erfunden, aus Lego nachzubauen. Dies geschah unter der Leitung des Brick Artists Cole Blaq.

    Ich bin noch ganz bewegt davon, wie begeistert die Kinder die Geschichten aufgenommen haben. Große Freude hatte ich z.B. an dem Gespräch über das Verhalten des Müllers im Märchen Rumpelstilzchen: er bringt seine Tochter in Gefahr, offensichtlich aus eigennützigen Motiven, und erweist sich dadurch nicht als guter Vater. Oder denkt er doch auch an seine Tochter, wenn er den König davon überzeugen will, dass seine Tochter Stroh zu Gold spinnen kann? Will er ihr, wenn auch auf gefährliche Art und Weise, eine Chance geben, das arme Leben zu verlassen? Ist es ihm gleichgültig, wie es seiner Tochter beim König ergeht? Oder hatte er irgendwo das Vertrauen in sie, dass sie die Situation meistern wird? In der Tat schafft es die Müllerstochter, die gefährliche Situation zum Guten zu wenden und schließlich sogar die Kraft, die ihr Kind bedroht zu besiegen. So kann auch aus sehr dunklen Situationen Gutes erwachsen, letztlich eine Hoffnungsgeschichte, wie so viele Zaubermärchen Hoffnung darauf geben, dass schwierige Situationen im Leben bewältigt werden können.

    Aus dem Märchen „Das Töpfchen“: Das Töpfchen auf der Straße

    In den ersten Terminen hatten wir Zeit, Bilder von den gehörten Geschichten zu malen, weil die ersten zwei Termine reine Geschichtentermine waren. Ab dem dritten Termin war Cole Blaq mit dabei und die Kinder verbrachten die Hälfte der Zeit mit ihm, die andere Hälfte mit mir. Die zwei Gruppen waren ganz unterschiedlich. Während die eine dabei blieb, viele Fragen an das Gehörte zu stellen und Vermutungen anzustellen, was an der einen oder anderen Stelle gemeint sein könnte, stürzte sich die andere Gruppe begeistert in das Abenteuer, selbst Geschichten zu erfinden. Für mich war es immer wieder schön, dass die Kinder Elemente aus der zuvor gehörten Geschichte in die eigene einbanden und sie damit bereicherten. Es gab große und lange Geschichten, die die ganze Kleingruppe erfand und ein paar kleine Geschichten, die sie in 2er oder 3er Gruppen ersannen. Diese Geschichten dienten zur Inspiration für die Lego-Werke. Am letzten Termin war es umgekehrt: da dienten die Lego-Werke zur Inspiration für kleine Geschichten, die z.B. einen Aspekt aus einer der größeren Geschichten weiterspannen oder überhaupt Anlass gaben, noch einmal eine neue Welt zu eröffnen.

    Nun ist das Projekt an der Astrid-Lindgren-Schule beendet. Einige der Geschichten werden in einer kleinen Broschüre zum Gesamtprojekt zu lesen sein. 

    Am 14.6. zum Erzähltag am Goetheplatz in Mülheim wird sie fertig sein. Ich freue mich darauf.

    Ein paar Geschichten und Bilder, die zu den gehörten Märchen gemalt wurden, darf ich an dieser Stelle schon veröffentlichen.

    Der Fuchs gräbt einen Tunnel bis unter den Lieblingssessel der Königstochter – aus dem Märchen „Der Fischersohn“

    Hier sind zwei Geschichten, die die Kinder erfanden:

    „Es waren einmal ein König und eine Königin, die hatten einen kleinen Sohn. Eines Tages unternahmen sie einen Ausflug mit der Kutsche und der kleine Prinz war in seiner Babytrage dabei. Ohne, dass die Eltern es bemerkten, fiel die Babytrage von der Kutsche und Prinz Leo war im großen Wald allein. Er krabbelte aus der Trage heraus und im Wald herum. Dort fand ihn eine weiße Taube. Sie nahm ihn mit, brachte ihn in ein Baumhaus, das wie ein Nest war und versorgte Leo mit allem, was er brauchte.  Der König und die Königin suchten ihren Sohn, aber der Wald war so groß, dass sie ihn nicht fanden. So wuchs der Prinz im Wald auf. Nahe am Baumhaus war ein Fluss, über den eine Brücke führte. Eines Tages, als Leo schon erwachsen war, traf er dort eine junge Frau. Sie war eine Prinzessin und hieß Lena. Lena liebte lange Spaziergänge im Wald und so war sie an diesem Tag sehr weit gegangen. Sie kam von dem Schloss und war die Tochter vom König und der Königin. Die beiden waren immer traurig geblieben, dass sie Leo nicht mehr gefunden hatten und so bekamen sie noch einmal ein Kind, das sie aufziehen konnten. Dies war Lena. Lena wusste gar nicht, dass sie einen Bruder hatte. Als sie Leo an der Brücke traf, gefiel er ihr gleich und sie gefiel ihm. Lena fragte: „Willst du mit ins Schloss kommen?“. Das wollte Leo gern. Als Lena mit Leo zu ihren Eltern kam, erkannten sie ihn und schlossen ihn in die Arme. So war die Familie wieder komplett.“

    Aus dem Märchen „Das Töpfchen“: Das Mädchen findet das Töpfchen auf dem Markt

    „Es war einmal ein junger Dino mit dem Namen John Carlos. Er liebte es, an den Sternenhimmel zu schauen, machte nichts lieber als das. Und weil er jede Nacht zu den Sternen schaute, war er am Tag immer ganz müde. In der Schule wurde er dafür ausgelacht und „Schlafmütze“ genannt. Alle fanden John Carlos langweilig und langsam. Was John Carlos selbst nicht wusste: Er konnte fliegen und zwar bis zu den Sternen. Einmal schaute er zum Polarstern und wünschte sich so fest wie er konnte, dass er diesen Stern besuchen könnte. Da kam eine Sternschnuppe und erfüllte ihm den Wunsch. Er flog zum hell leuchtenden Polarstern und dort blieb er. Seitdem leuchtet der Polarstern noch heller.“

    Aus dem Märchen „Das Töpfchen“: Das Mädchen und die Mutter bekommen zu Essen vom Töpfchen

  • Einfach erzählen! – Ein Workshop

    Einfach erzählen! – Ein Workshop

    In der Zeit vom 02.04. – 07.04.2024 biete ich für die FORUM Woche Spiel & Theater in der Jugendbildungsstätte Haus Altenberg in Odenthal einen Erzählworkshop an.

    Er richtet sich an Menschen, die Freude an Geschichten haben und die ausprobieren möchten, diese selbst zu erzählen. Eine knappe Woche Zeit zum Eintauchen in Geschichten oder Märchen. Dies können bereits bestehende Märchen und Geschichten sein, die Sie adaptieren, in eine eigene Form bringen. Oder es können Ereignisse sein, die Sie selbst erlebt haben. Vielleicht möchten Sie Rückschau halten auf ihren Lebensweg und einzelne Stationen herausgreifen, um sie in eine kleine Geschichte zu verwandeln oder sie mit einem bereits bestehenden Märchen zu verbinden. Die Woche bietet Gelegenheit, den Anfang zu machen, erste Entwürfe zu entwickeln und zu erproben.

    Darüber hinaus beschäftigen wir uns natürlich mit dem Vorgang des Erzählens. Wie stelle ich Kontakt zu meinem Publikum her? Wie setze ich Gestik und Mimik gezielt ein? Wie halte ich Spannung? Wie wandelbar ist meine Stimme? Wie wirken Pausen? Braucht es immer Worte zum Erzählen?

    Wichtig ist mir, dass alle Teilnehmenden in der Woche Freude an und Zutrauen zum Erzählen entwickeln und ihren eigenen Ton finden. Das Erzählen zu erlernen ist ein Prozess, der Zeit braucht und Anwendung. Im Kontakt mit dem Publikum werden die Geschichten lebendiger und dürfen sich verändern. In den Tagen nach Ostern soll der Boden bereitet und Samen ausgebracht werden. Vielleicht wollen sich erste zarte Triebe am Ende zeigen, die weiterhin gehegt und gepflegt werden möchten.

    Natürlich stelle ich Märchenbücher und Zeitschriften für die Recherche nach einer Geschichte zur Verfügung, sowie Zeit, um danach zu suchen. Außerdem gebe ich Inspirationen, um an biografische Geschichten zu kommen. Dazu bitte Schreibutensilien mitbringen. Falls es schon eine Geschichte/Märchen oder ein Ereignis gibt, das erzählt werden möchte, bringen Sie diese gerne mit.

    Anmeldungen unter: https://www.theater-forum.de

  • Digitaler Adventskalender – märchenhafte Auszeit im Advent

    Digitaler Adventskalender – märchenhafte Auszeit im Advent

    Was ist der digitale Adventskalender?

    Eine Kostbarkeit für alle, die Märchen und Erzählkunst mögen.

    Eine Möglichkeit, sich oder anderen im Dezember eine Auszeit zu gestalten.

    Ein besonderes Geschenk für einen besonderen Menschen.

    Ein Adventskalender der besonderen Art.

    Hinter jedem Türchen verbirgt sich ein anderes Märchen in Form eines Videos. Ich erzähle die Märchen wie immer frei. Jedes Märchen dauert zwischen 5 und 20 Minuten und kann angehört werden, wann immer Zeit und Muße am Tag dazu vorhanden ist. So hat man an jedem Tag eine kleine Ruhezeit, in der man in die märchenhafte Welt eintauchen und entspannen kann. Am Besten, wenn man für die Zeit des Märchenhörens das Telefon abschaltet und es sich gemütlich macht, mit einem Tee, einer warmen Decke oder einem Becher Kakao.

    Wer den Kalender bucht, bekommt an jedem Vormittag einen link zu einem nicht gelisteten Video auf meinem YouTube-Kanal @märchenmund per Email zugesendet. Die Videos stehen bis Ende Dezember zum Anhören zur Verfügung.

    Um zu buchen, schreiben Sie mir einfach eine Email mit dem Betreff „digitaler Adventskalender“. Ich gebe Ihnen meine Bankverbindung an und verwende Ihre Emailadresse zum Versenden der täglichen links. Wenn Sie mir schreiben, erklären Sie sich damit einverstanden, dass ich Ihre Emailadresse zum Versenden der links verwende. Ich gebe die Adresse nicht an Dritte weiter.

    Der Adventskalender kostet 35€ regulär. 40€ als Unterstützer*in. Wer den Unterstützer*innenpreis wählt, bekommt noch ein Bonus-Video am 25.12.

    In diesem Jahr habe ich keinen neuen Adventskalender erstellt. Es sind die Märchen vom vergangenen Jahr.

    Aber die Märchen vom letzten Jahr sind noch ganz frisch und gar nicht angestaubt. Selbst wer im letzten Jahr die Märchen bereits gehört hat, kann sich die Freude machen, sie wieder zu hören. Oder Sie verschenken den Kalender einfach in diesem Jahr und schauen mit dem Beschenkten/ der Beschenkten gemeinsam.

    Für einen ersten Eindruck habe ich ein Beispielvideo veröffentlicht, in dem ich das Märchen vom „Dohlenmädchen“ erzähle: https://youtu.be/P9TdsMyc-Xg?feature=shared

    Die Ankündigung fasst noch mal alles Wissenswerte zusammen: https://youtu.be/kwHFkpEYNeY?feature=shared

    Ich freue mich über Buchungen!

  • Apfelduft & Hoffnungsschimmer

    Apfelduft & Hoffnungsschimmer

    Ausstellungseröffnung in der Villa Kampschulte

    Die Ausstellung mit Objekten von Anne Kampschulte, Edelgard Stryzewski-Dullien und Lore Klar, die den Namen meines neuesten Erzählprogramms trägt, eröffnete gestern am späten Nachmittag. Die Objekte der drei Künstlerinnen passen wunderbar in die schönen Ausstellungsräume der Villa Kampschulte, sind sehr schön anzusehen und bieten Anlass, über sie zu sprechen. Besonders die Märchenobjekte von Edelgard Stryzewski-Dullien geben einen sehr eigenen Blick auf die bekannten Märchen wieder. Zu sehen sind die Objekte zu „Allerleirauh“, „Rapunzel“, „Die sieben Raben“, „Die Prinzessin auf der Erbse“ und „Frau Holle“.

    Gestern waren die Objekte außerdem eine tolle Kulisse für mein Programm „Apfelduft & Hoffnungsschimmer“. Meine Hommage an meine Großmutter mütterlicherseits hat bei den Zuhörenden Erinnerungen an eigene Familiengeschichten ausgelöst und zu regem Austausch darüber geführt. Ich hatte einige sehr berührende Gespräche in der Pause und nach dem Programm. Es macht mich sehr glücklich, dass meine Geschichten offensichtlich genau das erreichen, was ich damit anstoßen wollte: ein Eintauchen in die eigenen Familiengeschichten, Rückerinnerung an die Zeit gegen Ende des zweiten Weltkrieges, Fragen darüber, wie die Großeltern-/ bzw. Elterngeneration mit den Traumata dieser Zeit umgegangen ist und woher sie die Kraft geholt haben, weiterzumachen und Hoffnung zu schöpfen, was zu Fragen darüber führte, woher die eigene Hoffnung kommt oder kommen kann.

    Die Gespräche und das aufmerksame Zuhören haben mich reich beschenkt. Einen großen Dank an alle, die gestern dabei gewesen sind! Ich hoffe, dass ich das Programm noch mit vielen Menschen werde teilen können!

  • „Apfelduft und Hoffnungsschimmer“

    „Apfelduft und Hoffnungsschimmer“

    Mein neues Erzählprogramm ist fertig!

    Zum ersten Mal erzähle ich biographische Geschichten, die ich mit Volksmärchen verknüpfe. In dem Programm lasse ich Erinnerungen an meine Großmutter aufleben, an ihren wunderschönen Garten, an ihre Art, dem Leben und seinen Schwierigkeiten zu begegnen. Ich öffne behutsam die Tür zu der Zeit, da die Menschen aus dem damaligen Schlesien fliehen mussten und spreche von den Folgen dieser Zeit, die heute noch in vielen Familien spürbar sind. Es geht um die Suche nach Wurzeln und Heimat, um ein Aufwachsen in der Diaspora und darum, den eigenen Hoffnungsfaden zu finden.

    Da das Programm mit Hilfe eines Open Spaces – Stipendiums der Stadt Gelsenkirchen entstanden ist, bin ich damit auf der Webseite zu finden, die alle geförderten Projekte vorstellt. Schaut doch mal dort vorbei! Dort findet sich eine wunderbare Vielfalt künstlerischer Projekte. Ein Stöbern lohnt sich!

    Auf meiner Seite findet Ihr sowohl ein Hörbeispiel (unter Apfelduft und Hoffnungsschimmer – Familiengeschichte), als auch einen kleinen Videoausschnitt aus dem Märchen „Bündel“.

    https://openspaces-artists.de/reich.html

    Die schönen Fotos verdanke ich Wolfgang Reich.

    Übrigens gibt es schon bald eine Gelegenheit, dieses Programm öffentlich zu hören. Mehr dazu in Kürze!

  • Zur Entstehung meines neuen Erzählprogrammes: „Apfelduft und Hoffnungsschimmer“

    Zur Entstehung meines neuen Erzählprogrammes: „Apfelduft und Hoffnungsschimmer“

    Ende 2022 informierte mich eine Email des Kulturamtes der Stadt Gelsenkirchen, dass das Referat Kultur unter dem Titel „Open Spaces“ wieder Stipendien vergeben wird. In der Zeit von Januar bis März 2023 könnten sich die Stipendiat*innen eine künstlerische Auszeit nehmen, um an einem Herzensprojekt zu arbeiten, für das im alltäglichen Trubel im Leben einer Künstlerin sonst nicht genügend Zeit bliebe.

    Ich dachte sofort an ein Projekt, das ich im Rahmen meiner Weiterbildung zum „Transformational Storytelling“ begonnen hatte.

    Seit dem Herbst 2021 nehme ich an dieser wunderbaren Weiterbildung teil, die per Zoom stattfindet und vier Semester dauert. Anders als per Zoom könnte ich gar nicht dabei sein, da sie von Jim Brulé angeboten wird, der in den USA wohnt. Das Ganze findet natürlich auf Englisch statt. Wir sind eine Gruppe von Erzählenden aus allen Teilen der USA, aus Ungarn, Mexico und Deutschland. Jede*r hat eine wunderbar eigene Art zu erzählen. Die Geschichten, die wir erzählen sind sehr unterschiedlich. Verbindend ist, dass alle Geschichten Wandlung, Hoffnung, Heilung in der einen oder anderen Art in sich tragen.

    Denn „Transformational Storytelling“ möchte die heilsamen Aspekte in frei erzählten Geschichten zur Wirkung bringen. Die Art der erzählten Geschichte ist dabei vollkommen unwichtig. Zaubermärchen, Weisheitsgeschichten, Schwänke, persönliche Geschichten oder auch Weiterentwicklungen von literarischen Texten können einen transformierenden Teil in sich tragen.

    Eine Geschichte, die von der Erzählenden als heilsam oder transformierend erlebt wird, bietet den Zuhörenden die Möglichkeit, sich von den Wandlungsaspekten dieser Geschichte ansprechen zu lassen. Das freie Erzählen unterscheidet sich von der üblichen Bühnenpräsentation. Es geht darum, einen Raum des Miteinanders zu erschaffen, in dem die Geschichte ihre Wirkung entfalten kann. Noch mehr als bei einem üblichen Erzählabend setze ich auf die Kraft der Geschichte, lasse Raum für die inneren Bilder der Zuhörenden, durch den sie sich ihre eigene Version der Geschichte erlauschen und davon unter Umständen bewegt werden können – wenn sie wollen und es der richtige Zeitpunkt dafür ist. Natürlich kann auch eine Geschichte, die ich als transformierend erlebe, einfach genossen werden, wie jede gut erzählte Geschichte.

    Im Rahmen der Weiterbildung habe ich erste Schritte dazu getan, Ereignisse aus meiner Lebensgeschichte in eine Form zu bringen, in der ich sie so erzählen kann, dass sie über das Persönliche hinausweisen. Außerdem habe ich Volksmärchen gesucht und gefunden, die für mich eine Verbindung zu diesen Ereignissen in sich tragen. Und ich habe angefangen, an den Märchen zu arbeiten, meine Worte für sie zu finden. Das war mein Projekt für der dritte Semester. Ende 2022 lag die Projektpräsentation hinter mir und ich hatte erste Bausteine für ein Programm. Mehr aber auch nicht. Fraglich war, wann ich daran weiterarbeiten können würde. Dann kam die Einladung, sich auf ein Stipendium zu bewerben. Ich tat dies und erhielt die Zusage! 

    Nun konnte ich nicht nur Zeit erübrigen, um an dem Programm weiterzuarbeiten, sondern konnte mir außerdem noch ein regelmäßiges Coaching bei meiner Erzählkollegin und Lehrerin Maja Bumbérak aus Ungarn leisten. Maja versteht es, auf wundervolle Art und Weise mit mir herauszuarbeiten, was mir als Erzählerin an der Geschichte wichtig ist und wie ich sie völlig zu meiner eigenen machen kann. Durch ihre tiefe Kenntnis von Volksmärchen findet sie sehr schnell einen Faden, dessen Ende sie mir in die Hand gibt und der mich dann auf eigene Wege führt. Ich bin sehr dankbar für ihre Begleitung, die von unschätzbarem Wert war und ist.

    Ausgangspunkt für meine Reise in die Entstehung dieses Erzählprogrammes war der Duft von gelagerten Äpfeln, der mich immer an meine Großmutter erinnert. Ich liebte meine Großmutter, sie war ein wichtiger Mensch auf meinem Lebensweg. Ihr eigener Lebensweg war von Leid und Entbehrungen gekennzeichnet, da sie eine von vielen Flüchtlingen war, die am Ende des 2. Weltkrieges ihre Heimat verlassen mussten. Doch auch Stärke und Resilienz lebte sie, indem sie sich ein neues Leben an einem neuen Ort aufbaute, ohne jedoch jemals dort heimisch zu werden. Das Gefühl von „Fremd-Sein“ und „Nicht-Dazu-Gehören“ ist eines, das ich wahrscheinlich ähnlich lebendig in mir trage, wie sie es getan hat.

    In den letzten Jahren haben sich immer mehr Menschen der so genannten Kriegsenkelgeneration mit den Auswirkungen ihrer Familiengeschichte beschäftigt. Und das mache ich auch mit meinem Erzählprogramm. Es bietet allen, die am Thema Kriegsenkel und/oder Familiengeschichte interessiert sind, Raum, an eigenen Erfahrungen anzuknüpfen, sich zu erinnern oder Fragen zu stellen. Das Besondere an diesem Programm ist die Verbindung zu den Märchen aus Deutschland und Italien, die in dem Programm zu hören sein werden und die mit ihrer Weisheit und ihren tiefen Bildern die Alltagserfahrung spiegeln und erweitern.

    Ab Herbst 2023 will das Programm an den Start gehen. Ich freue mich über Anfragen oder Hinweise zu Gruppen, zu denen das Thema passt oder Orte, an denen es erzählt werden kann.

  • Digitaler Märchen-Adventskalender 2022

    Digitaler Märchen-Adventskalender 2022

    • Wenn du Volksmärchen magst und die Erzählkunst schätzt …
    • wenn du dir in der Vorweihnachtszeit eine regelmäßige kleine Auszeit gönnen möchtest …
    • wenn du ein besonderes Geschenk machen möchtest …
    • wenn du eher unbekannte Geschichten hören möchtest, dich aber genauso an alt bekannten Geschichten freuen kannst …

    dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dir mein digitaler Märchen-Adventskalender gefallen wird.

    Ich habe eine Auswahl an Volksmärchen, Schwänken und kleinen Weisheitsgeschichten für diese Ausgabe des digitalen Adventskalenders zusammengestellt, die hauptsächlich Geschichten enthält, die nicht jede*r bekannt sind. Manchmal ist eine Geschichte dabei, die winterlich-wohlige Stimmung verbreitet, manchmal geht es lustig zu und dann wiederum ist es nachdenklich-berührend. 

    Du bekommst im Dezember jeden Tag eine Email von mir mit einem link zu einem ungelisteten Video auf YouTube, das du dir anschauen oder auch nur anhören kannst, wann es in deinem Tagesablauf gut passt. 

    Mein digitaler Märchen-Adventskalender eignet sich hervorragend dazu, dir ein kleines Wohlfühl-Ritual in der Vorweihnachtszeit einzurichten. Dazu könntest du Folgendes für dich tun:

    • Reserviere dir immer zur gleichen Tageszeit eine Auszeit zwischen 10 und 20 Minuten, je nach Länge des angebotenen Märchens, ohne Telefon und Haustürklingel.
    • Vielleicht zündest du dir eine Kerze an und kochst dir einen Tee, kuschelst dich in deinen Lieblingssessel oder hast einfach bei dir, was dir ein Gefühl von innerer Wärme verschafft.
    • Du kannst diese Zeit für dich allein nutzen oder sie mit den Menschen teilen, mit denen du zusammenlebst. Eine Weitergabe der links ist nicht gestattet.
    • Lausche dem Märchen und begibt dich ganz in diese andere Welt.
    • Verweile nach dem Ende des Märchens noch bei den Bildern. Welche Stelle hat dich besonders angesprochen? Welcher Schatz liegt dort vielleicht für dich vergraben? Wenn du mit anderen gelauscht hast, könnt ihr euch gegenseitig davon erzählen.

    Die Märchen stehen dir bis Ende Dezember zum mehrmaligen Hören zur Verfügung.

    Wenn du dabei sein willst, schicke mir eine Email mit dem Betreff „digitaler Märchen-Adventskalender 2022“. 

    Ich sende dir meine Bankverbindung und nehme die angegebene Emailadresse in den Verteiler für den Adventskalender auf. Wenn du mich per Email kontaktierst, erklärst du dich damit einverstanden, dass ich deine Emailadresse zum Versenden der einzelnen Türchen verwende. Ich gebe die Emailadresse nicht an Dritte weiter. 

    Der Adventskalender kostet regulär 35€, 40€ für Unterstützer*innen. Wer sich für die 40€-Variante entscheidet, bekommt am 25.12. noch ein Bonusmärchen.

    Ankündigung auf YouTube:

    https://youtu.be/kwHFkpEYNeY

    Ein Beispiel, wie es hinter einem der Türchen aussehen könnte findest du hier:

    https://youtu.be/P9TdsMyc-Xg

  • Nachlese Sommernachtsgeträumt! – Bühnenpremiere in Dorsten am 14.08.22

    Nachlese Sommernachtsgeträumt! – Bühnenpremiere in Dorsten am 14.08.22

    Am vergangenen Sonntag durfte ich mit meiner Fassung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ zum 1. Mal auf einer Bühne vor Live-Publikum stehen. Das Cornelia-Funke-Baumhaus in Dorsten war mein Gastgeber. Nun konnte das wunderbare Bühnenbild von Sabine Kreiter richtig in Aktion kommen und die Figuren lebendig werden. Mit großer Freude habe ich den Abend gespielt und erzählt! Puck & Co. sind nun bereit für weitere Gelegenheiten, diese vergnügliche Geschichte an offene Ohren, Augen und Herzen zu bringen!

    Das Team vom Cornelia-Funke-Baumhaus schrieb nach dem Abend auf ihrer Facebook-Seite:

    „Eine Bühnenpremiere erlebten die Zuschauer_innen, die sich am Sonntagabend im Baumhaus von dem poetischen Erzähltheater „Sommernachtsgeträumt“ verzaubern ließen. „Bislang habe ich es nur digital über Zoom gespielt“, sagt Melody Reich, die dieses fantasievolle Stück dank finanzieller Unterstützung eines „NRW-Corona-Stipendiums“ erdachte und bühnenreif machte. Dabei half ihr die Bühnen- und Kostümbildnerin Sabine Kreiter, die ein pfiffiges wie funktionales Bühnenbild entworfen hat. Aus dem großen Wald bei Athen tauchen Feen und Herrscher, verwirrte Liebende und der vorwitzige Puck in Form von zweckentfremdeten, „verkleideten“ Küchengeräten, wie Quirl, Schöpfkelle und Kartoffelstampfer auf. Ein vergnüglich inszeniertes Verwirrspiel, das Melody Reich aus Shakespeares Geschichte und ihrer eigenen Poesie gewoben hat. „Toll, wie sie die ganze Geschichte von Anfang bis Ende frei und ohne Versprecher gesprochen hat“, lobte eine Zuschauerin, die sich trotz schwüler Hitze köstlich amüsierte. „Nee, heiß ist mir nicht. Wir waren doch im großen Wald von Athen und da war es sehr erfrischend“, lacht sie. Könnte sich aber eine Wiederholung der Vorstellung im kühleren Frühjahr durchaus vorstellen. „Dann komm ich wieder und bring noch jede Menge Freunde mit“, verspricht sie zum Abschied. Okay, wir fragen Melody gerne, ob sie noch mal mit Puck & Co. nach Dorsten kommt. Im Baumhaus ist sie jederzeit willkommen.“

    Herzlichen Dank für diese schöne Besprechung! Wir kommen natürlich gerne wieder!

    Lysander eröffnet Hermia, dass er sie nicht mehr liebt …
    Oberon spricht ein ernstes Wort mit Puck
    Die Bühne ist bereit für’s Spiel
    Alle Figuren warten auf ihren Auftritt – Zettel ist noch ganz versteckt
  • „Für dich ging ich zu Sonne, Mond und Sternen“

    „Für dich ging ich zu Sonne, Mond und Sternen“

    Märchen von Abschied, Krise, Neubeginn

    Entstehung des Programms:

    Im April 21 erhielt ich ein Stipendium des Landes NRW im Rahmen der Coronahilfen, um ein neues Erzählprogramm zu gestalten. Das Besondere: ich wollte nach Märchen gleichen Typs aus aller Welt suchen und mit den Motiven aus den verschiedenen Märchen eigene Versionen erstellen. Thematisch sollten sich die Märchen mit Abschied, Krise und Neubeginn beschäftigen. Diese Themen sind natürlich stark verbunden mit der Zeit der Pandemie. Ich hatte mich gefragt, welchen Beitrag ich als Erzählerin zur Bewältigung dieser Themen anbieten könnte. Wichtig war mir, dass die Geschichten nicht beschönigen, aber immer davon sprechen, dass ein Neubeginn möglich ist – ganz gleich, welcher Abschied genommen werden muss und wie heftig die Herausforderungen der Krise auch sein mögen. 

    Die nötige Recherchearbeit war zeitintensiv und sehr spannend. Es war das erste Mal, dass ich mich mit Märchentypen beschäftigten konnte und ich bin sehr dankbar, dass ich innerhalb dieser Arbeit dazu Zeit und Gelegenheit hatte.

    Ein großer Teil der Zaubermärchen folgt dem Muster von Abschied, Krise und Neubeginn, so dass die zur Auswahl stehenden Märchen ebenso riesig war. Außerdem war es gar nicht so leicht für mich, Varianten eines Märchentyps von außereuropäischen Märchen zu finden. Der unter Märcheninteressierten durchaus bekannte Typenkatalog von Aarne-Thompson gibt in frei zugänglicher Form meist nur Beispiele aus Europa, oft auch nur der Grimmschen Märchen. Etwas weiter führt der Index von Aarne-Thompson-Uther, aber auch hier stand ich oft nur vor der Beschreibung des Typs und hatte keine Möglichkeit, entsprechend Märchen aufzufinden. Schließlich stieß ich im Internet Archive auf eine wunderbare Bibliothek, die mir Zugang zu vielen Märchen verschaffte. Mit dieser Bibliothek arbeitete ich fortan, las und verglich, stieß auf ganz wunderbare Varianten und Material, mit dem ich arbeiten wollte.

    So entstanden meine eigenen Versionen zu Märchen vom Typ „Wasser des Lebens“ und „Ehefrau sucht ihren verlorenen Mann“. Außerdem fanden noch zwei Märchen, die ich bereits in anderen Zusammenhängen erarbeitet hatte, Eingang in mein Programm.

    Aufnahme vom 15.Jan.22. Foto: Wolfgang Reich

    Das Programm:

    Märchen sprechen in Bildern. Die Motive, die wir in Volksmärchen finden, sind über viele Generationen wieder und wieder verwendet worden und jede Erzählerin/jeder Erzähler hat eigene Erfahrungen hineingebracht, hier etwas weggelassen, dort etwas eingefügt oder besonders betont, eine Stimmung geschaffen. Durch diese fortwährende Bearbeitung sind die Märchen im mündlichen Erzählen lebendig geblieben und strahlen noch heute. 

    Beim Zuhören bringt jede Hörerin und jeder Hörer die eigene Erfahrung ein, knüpft emotional an Motive an und ahnt die Tiefe, die hinter den Bildern verborgen ist. Die Bilder lassen es jedem und jeder völlig frei, wie weit er oder sie sich einlassen möchte. So kann ein frei erzähltes Märchen einfach als spannende und interessante Geschichte gehört werden und die Situation, in der jemand auf professionelle Art eine gute Geschichte erzählt, als Auszeit genossen werden. Wer will, kann sich aber auch tiefer hineinbegeben und einzelnen Motiven in der eigenen Erfahrungswelt nachforschen, sich infrage stellen oder Situationen neu bewerten.

    „Für dich ging ich zu Sonne, Mond und Sternen“ bietet ganz unterschiedliche Situationen an, um ihnen nachzusinnen. Da ist von einer jungen Frau zu hören, die genau weiß, wie sie ihren Ehemann haben möchte. Sie gibt viel von sich, bevor sie ihn heiratet und er lässt sich gern darauf ein. Aber die Beziehung ist fragil, weil es ihm am eigenen Standpunkt fehlt und beide müssen noch auf eigenen Wegen reifen, um wieder zusammenfinden zu können. Die Frage, wie sehr ich meine Welt bestimmen und kontrollieren will und kann und um welchen Preis dies geschieht, schwingt beim Hören des Märchens mit.

    Um festgefahrene Blickwinkel innerhalb der Familie geht es im zweiten Märchen und darum, welche Herausforderungen bestanden werden müssen, um den Blick der Familie auf sich selbst zu verändern. Sich dem Verschlingenden in sich selbst zu stellen, kann eine Station auf dem Weg sein. Wer sich auf den Weg macht, sich aus alten Banden zu erlösen, kann auch anderen Erlösung bringen. 

    Eine etwas andere Sicht auf den Tod und den Umgang mit ihm bietet das dritte Märchen des Programms. Das vierte Märchen, das den Streifzug durch die Welt der Märchen beendet, geht verschmitzt der Frage nach, wie zwei den Alltag meistern können, deren Temperament ihnen Steine in den Weg der Gemeinsamkeit legt.

    Zwischen den Märchen gebe ich kleine Anstöße zum Weiterdenken und am Ende des Programms stehe ich für ein Gespräch über die Märchen zur Verfügung.

    Die Premiere des Programms fand am 15. Jan. 22 in der Kellerbar des Consol Theaters statt und fand bei den Anwesenden großen Anklang. Bei einem Getränk unterhielt ich mich mit mehreren Zuhörenden noch einige Zeit über das, was nachschwang und Fragen aufwarf. Es war ein sehr schöner Einstieg in das Abenteuer, dieses Programm nun weiteren Menschen zu Ohren zu bringen. Gut geeignet ist das Programm für Gruppen in Kirchengemeinden oder Nachbarschaftsquartieren oder überall da, wo Menschen miteinander in Verbindung kommen.

  • Hausbesuch in Gelsenkirchen – der Himmel so weit

    Hausbesuch in Gelsenkirchen – der Himmel so weit

    „Kultur braucht Publikum, und Publikum braucht Kultur: Deshalb möchte das Format „Hausbesuch“ den Kontakt zwischen Künstlerin und Künstler und Besucherin und Besucher im kleinsten möglichen Format herstellen. Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener können sich als Gastgeber bewerben – die Stadt Gelsenkirchen fördert bei diesen Hausbesuche die gebuchten Künstlerinnen und Künstler mit 150 Euro pro Person.“ So kündigt die Stadt Gelsenkirchen ihr neues Kulturprogramm an, bei dem ich in Zusammenarbeit mit dem Musiker Norbert Labatzki dabei bin.

    Unser Programm trägt den Titel „Der Himmel so weit – Märchen und Musik“

    Nobert Labatzki (Musik) und Melody Reich (Erzählkunst) laden an diesem Abend auf eine außergewöhnliche Musik- und Wortreise ein. Weithin unbekannte Märchen aus aller Welt für Erwachsene werden an diesem Abend im Zweiklang lebendig. Mit dabei sind ungewöhnliche Liebesgeschichten, Geschichten von Glück und Schicksal und Wegen, die ins Ungewisse führen. Dennoch ist ein gutes Ende garantiert!

    Melody Reich erzählt frei und ohne Buch. Mit Stimme, Mimik und Gestik erschafft sie die Figuren und Begebenheiten der Märchen als unmittelbares Erlebnis im Hier und Jetzt für ihre Zuhörenden. Die Musik von Norbert Labatzki eröffnet klangliche Facetten der Geschichten, an jedem Abend neu und überraschend. Dabei will er versuchen, die Stimmung aus dem Moment in Klang, Tönen und Geräuschen spontan umzusetzen. Gemeinsam entsteht auf diese Weise immer wieder neu ein Hörgenuss, der so noch nie dagewesen ist.

    Buchungen können ab jetzt unter folgendem link vorgenommen werden: https://www.gelsenkirchen.de/hausbesuch

    Viele spannende Angebote sind dort zusammen gekommen. Es lohnt sich, auf der Seite vorbeizuschauen! Und natürlich freuen wir uns auf die Hausbesuche bei Ihnen/ Euch!